Tuesday, 6 January 2015

Meine 14 Bücher des Jahres 2014

Ich habe meiner Nachbarin zu Weihnachten ein Büchlein geschenkt, in dem sie notieren kann, was sie alles gelesen hat. Warum? Weil ich im letzten Januar nach Literaturempfehlungen fragte und sie mit einem Zettel daherkam, der kurz vorm Davonflattern war.

Inspiriert von Kolleginnen wie Ricarda Essrich stelle ich hier meine eigene Liste 2014 vor - mit meiner ganz persönlichen Meinung zu jedem Buch.


1) Alice Munro. Dear Life (2012) Ein ganz leises Buch mit Kurzgeschichten über alltägliche Menschen (in Kanada). Traurig und schön. Eine Tasse Tee und eine warme Decke in der Nähe haben!


2) Elizabeth Taylor. At Mrs. Lippincote’s (Neuauflage 2006)
Ein Buch, das schon während des Zweiten Weltkriegs geschrieben wurde und die Geschichte einer Familie beschreibt, die während des Krieges bei der (nur einmal aufauchenden) Mrs. Lippicote einquartiert wird. Die gewitzte Ehefrau langeweilt sich, der Sohn ist ein Bücherwurm , der Vater ein Offizier mit heimlichen Affären und dessen Schwester ist unverheiratet, romantisch und hat einen Drang zum Wichtigsein. Eine Alltagsgeschichte in einer sonst nicht als alltäglich beschriebenen Welt und Zeit.


3) Martina Borger und Maria E. Straub. Kleine Schwester (2004)
Das traurigste Buch, das ich je gelesen habe und das mich nicht loslässt. Es geht um das Schicksal eines Pflegekindes. Die Familie versagt und das System auch. Ganz leicht geschrieben und daher umso furchtbarer.





4) Keeping up with the Germans. Philip Oltermann (2013)
Eine unterhaltsame Analyse von Typisch Deutsch und “typically English” anhand der Lebensgeschichte des Erzählers und einer Reihe historischer Begegnungen von (berühmten) Deutschen und Briten.




5) Keith Houston. Shady Characters: : Ampersands, Interrobangs and other Typographical Curiosities (2013)
Wie der Titel schon sagt, wird in diesem Buch die Geschichte von typographischen Symbolen nachgezeichnet, die im Zeitalter des Internets, Twitter und E-Mail neue Popularität, teilweise neue Namen und auf jeden Fall an Bedeutung gewonnen haben. Spannend, nachzulesen, was wir täglich benutzen.




6) Mark Williams. Mindfulness. A practical guide to finding peace in a frantic world (Paperback 2011)
Ja, auch ich wollte wissen, worüber alles redet. Was bedeutet Mindfulness, wie legt man seine Zerstreutheit oder schlechte Gewohnheiten ab und lebt einfach mehr im Hier und Heute. Einige gute Tipps und interessante Beispiele. Und eine CD mit Meditationsübungen ist auch dabei. Sehr lesbar.





7) Christoph Hein. Frau Paula Trousseau (2008)
Eine komplexe Geschichte über eine Malerin, die sich dickköpfig gegen alle durchsetzt und dabei so vereinsamt, dass sie sich am Ende selbst nicht mehr wichtig nehmen kann – und sich ein Ende setzt. Über die blinden Flecken, die uns daran hindern, das Positive (Bunte?) im Leben zu sehen.





8) Anna Gesthuysen. Wir sind doch Schwestern (2012)
Scheinbar das totale Gegenstück zu Heins Roman. Dies hier ist die lebensbejahende Geschichte dreier Schwestern und der hundert Jahre, die die Älteste erlebt hat. Also sowohl ein Familienroman als auch eine Geschichte des Rheinlandes (und ein ganz klein wenig auch der Bundesrepublik). Muss man wohl erst 100 werden, um seinen blinden Fleck zu überspringen? Tolle Geschichte, unterhaltsam und fesselnd geschrieben.




9) Helen Oyeyemi. The Icarus Girl (2005)
Die Autorin war 18, als sie dieses Buch veröffentlicht hat und sie muss Fan von Isabel Allende sein. Magischer Realismus über ein englisch-nigerianisches Mädchen, das bei einem Sommerurlaub in Nigeria eine Freundin findet, die sich schließlich als ihr böser Geist entpuppt. Leseerfahrung – spannend bis so la la.




10) Jodi Picoult. Picture Perfect (2010)
Interessantes Problem (eheliche Gewalt), aber eine enttäuschende Leseerfahrung. Zu viele Klischees. Jeder Teil beginnt aber mit einer Art Sage, entweder afrikanischen oder nordamerikanischen Ursprungs und die sind wunderschön poetisch.




11) Hugo Hartung. Wir Wunderkinder.
Der Film von Kurt Hoffmann ist schon seit 50 Jahren ein Klassiker. Das Buch ist viel dunkler und bitterer als Hoffmanns Komödie, aber eine sehr feinsinnige Darstellung von Wendehälsen und mit dem Alltag kämpfenden kleinen Leuten. Wie überlebt man und ist glücklich? Indem man etwas zum Lachen findet – egal wie furchtbar die Realität ist. Das sollte heute auch wieder zum Motto werden.





12) Maxim Leo. Haltet Euer Herz bereit. (2010)
Eine DDR-Geschichte, nachgezeichnet in Leos Familiengeschichte. Wie wichtig doch der Jahrgang ist. Leo ist nur zwei oder drei Jahre älter als ich und hat doch (noch) ganz andere Erfahrungen mit Erziehung und Bildung im Arbeiter- und Bauernstaat gemacht als ich. Spannend und schnell zu lesen.





13) Jodi Picoult. My Sister’s Keeper (2013)
Im Gegensatz zu Picture Perfect ist das Dilemma in diesem Roman so gewaltig, dass ich die ganze Zeit hin- und hergerissen war, wessen Partei ich ergreifen sollte. Eine Familiengeschichte, in der die jüngste Tochter ihre Eltern verklagt, weil sie nicht länger als Organspenderin für ihre totkranke Schwester herhalten will. Spendet sie nicht, stirbt die Schwester, spendet sie, wird deren Leben eventuell noch etwas verlängert. Die Mutter kämpft und das kranke Kind, der Bruder steigt aus und der Vater versucht, Beistand für alle zu sein und fühlt sich irgendwann entfremdet. Ganz toll. Und mit einem unerwarteten Ende. Taschentücher bereit halten!




14) Christiane Nord. Hürdensprünge. Ein Plädoyer für mehr Mut beim Übersetzen. (2014)
Anregend und mit vielen Beispielen versehen, ist dieses Buch genau das, was der Titel verspricht: ein Plädoyer für mehr Mut beim Übersetzen. Wenn man der Autorin auch nicht bei jeder Übersetzungsentscheidung zustimmen mag, ist es doch eine gute Anregung, selbst mehr zu springen – und hoffentlich dabei ins Schwarze zu treffen.